Die Königin der Beeren und warum man vielleicht auf heimische Erdbeeren warten sollte…

Ich mag Erdbeeren geschmacklich und auch als lecker-süße Frühlingsboten. Dieses Jahr lässt sich der Frühling ja ziemlich Zeit. Trotzdem findet man in den Obstabteilungen und auch auf dem Markt längst Erdbeeren; überwiegend aus Spanien und Marokko. Und darüber möchte ich heute mal zwei, drei Zeilen schreiben.
Keine Angst: das wird hier kein Öko-Blog mit Polit-Touch oder umgekehrt. Nur das Erdbeerthema ist mir persönlich wichtig. Grundsätzlich gibt es deswegen hier im feuchtfroehlichen Haushalt einheimische Erdbeeren, am liebsten selbstangebaut, selbst gepflückt oder zumindest vom Bauern um die Ecke. Ok, ok: an Ostern gab es Erdbeeren aus Spanien zur Pavlova- aber mit dem absolut ärgerlichen Zwischenergebnis, dass die halbe Schale schimmelte und die 5 (!!!) brauchbaren Erdbeeren geschmacklich völlig fad waren.
Für den männlichen Mitbewohner kann ich keine Erdbeerverantwortung übernehmen, der ist leider Erdbeer-unverbesserlich…

Also- kurze Einleitung:
Erdbeeren (Fragaria) sind eine Gattung in der Unterfamilie der Rosoideae innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Sie spielen schon seit der Steinzeit eine Rolle in der menschlichen Ernährung, erst mit der Einführung von amerikanischen Arten im 18. Jahrhundert entwickelte sich jedoch die Gartenerdbeere. Entgegen ihrem Namen zählt die Erdbeere aus botanischer Sicht nicht zu den Beeren, sondern zu den Sammelnussfrüchten. Mehr mehr oder minder Wissenswertes zur Erdbeere findet sich bei wikipedia.

Der Ernährungsaspekt:
Erdbeeren sind unheimlich gesund: Ihr Gehalt an Kalium und Magnesium schützt das Herz, ähnliches gilt für die natürliche Salicylsäure der Erdbeeren, die bei Gicht und Rheuma lindernd wirkt. Die ebenfalls enthaltenen Phenolsäuren sollen sogar vor Krebs und Arteriosklerose schützen. Frisch gepflückte Erdbeeren enthalten mehr Vitamin C als Orangen. Wegen ihres hohen Folsäure- und Eisengehaltes galten Erdbeeren schon immer als Mittel gegen Blutarmut. Noch dazu sind sie kalorienarm (32 kcal, Fett: 0,4 g, KH: 5,5 g/100g) und sie sind wie bereits erwähnt v.a. lecker und das sollte ja bei Essen auch kein ganz unwesentlicher Aspekt sein!

Jetzt aber- die ausländischen Erdbeeren & ihre Nachteile:
Erdbeeren wachsen bei uns so ungefähr zwischen Mai und August. Allerdings werden sie mittlerweile fast weltweit angebaut und zu uns transportiert, damit wir ganzjährig in den „Genuss“ von Erdbeeren kommen. Die wichtigsten Länder, die uns jährlich mit diesen Früchtchen beliefern sind: Italien, Spanien, Belgien/Luxemburg, Frankreich, Niederlande. Aber auch aus Marokko und Griechenland kommen die Beeren zu uns.
Damit die Erdbeeren den langen Transportweg überstehen, werden sie oftmals viel zu früh und noch grün geerntet. So kann sich das Aroma natürlich nicht richtig entwickeln und sie schmecken eher fade und wässerig- wie meine Oster-Erdbeeren eben.

Auch der lange Transportweg hat noch mal negativen Einfluss auf den Geschmack. Ebenso leidet der Vitamin- und Mineralstoffgehalt. Um -zumindest- den schönen Schein zu wahren, werden Erdbeeren oft gespritzt, was das Zeug hält. In der kurzen Zeit zwischen Blüte und Ernte verwenden die Bauern dafür häufig Cocktails aus so vielen verschiedenen Mitteln, dass sogar Überschreitungen der Höchstmengen mit mehreren Chemikalien auftreten. Die Erdbeeren werden häufig noch ganz kurz vor der Ernte mit Pilzgiften gespritzt, damit die Früchte auf dem Transport nicht schimmeln. (Dafür dann direkt danach).
So kann man dann jedes Jahr nachlesen, dass unsere Erdbeeren massiv mit Pestiziden belastet sind. Das gilt leider auch für deutsche, aber v.a. für die aus dem Ausland importierten Erdbeeren. Insbesondere Früherdbeeren aus Spanien und Marokko galten in der Vergangenheit als stark belastet. Weitere Infos mit Zahlen aus dem Jahr 2011 findet man hier.
Das kann natürlich nicht sooo gesund sein.

Der Aspekt Wasser:
Damit wir auch im Winter Erdbeeren kaufen können, wird z.B. in Andalusien der Anbau der Früchte das ganze Jahr über betrieben. Doch der Erdbeeranbau verschlingt Unmengen an Wasser. Häufig werden die Erdbeerfelder aus tausenden illegalen Brunnen bewässert. Dabei leidet Südspanien schon lange unter massivem Wassermangel. Das liegt zum Einen am heißen Klima, vor allem aber an der legalen und illegalen Bewässerung von Erdbeerfeldern.
Insgesamt gibt es in Spanien rund eine halbe Million illegal gebohrter Brunnen; sie sind ziemlich gut dokumentiert. Die örtlichen Behörden wissen relativ genau, dass etwa die Hälfte der Bauern nicht für die Bewässerung der Erdbeerfelder bezahlt. Seit Jahren sinkt dadurch der Grundwasserspiegel. Das hat natürlich sehr nachteilige Einflüsse auf die heimische Flora & Fauna. Leider ist dieser Aspekt nicht unbedingt der Hauptaugenmerk der Spanier, da die Bauern rund 400 Millionen Euro jährlich mit Erdbeeren umsetzen.
Dass die Situation in Marokko, Griechenland und Italien nicht viel besser, sondern nur weniger gut dokumentiert ist, kann man hier nachlesen oder hier.

Der Aspekt der Erntehelfer:
Früher waren es v.a. illegale Immigranten, hunderte arbeitsuchende Schwarzafrikaner, die zu Dumpinglöhnen eingestellt wurden. Mittlerweile werden Tausende von legalen osteuropäischen und marokkanischen Feldarbeiterinnen herangekarrt, um mit Tariflöhnen (Achtung- nur weil etwas „Tariflohn“ heißt, ist das noch lange nicht gut oder ausreichend viel Geld) für Europa Erdbeeren zu pflücken. Auch spanische Arbeitslose haben mangels Alternativen neuerdings wieder „Lust“, auf den Feldern zu arbeiten. Und wir reden hier von harter, körperlicher Arbeit: stundenlang bücken und pflücken unter Folientunnels in stickiger Luft. Hierzu und zu den oben angerissenen Umweltaspekten kann man hier mehr lesen.

Wenn man sich ein wenig mit dem Thema befasst, merkt man v.a. Eines sehr schnell: es sind nicht nur Erdbeeren, auch Himbeeren, Blaubeeren, Tomaten, Gurken, Kopfsalat etc. fressen die Ressourcen z.B. Spaniens auf und befördern die Ausbeutung von Erntehelfern.
Und noch etwas: Erdbeeren, Himbeeren, Blaubeeren, Tomaten, Gurken, Kopfsalat- das wächst auch alles hier. Nur eben nicht ganzjährig. Dafür aber ohne illegalen Raubbau am Grundwasser und mit etwas besser regulierten (nein- bei Weitem nicht idealen) Arbeitsbedingungen für die Erntehelfer.

Ich würde mich freuen, wenn ein, zwei Leser meines Blogs, denen Die Thematik bislang vielleicht nicht so bekannt war, hierdurch vielleicht umdenken. Man kann relativ „einfach“ etwas tun, nämlich saisonal und lokal einkaufen. Das ist in den meisten Fällen ja sogar günstiger (ob der Dumpinglöhne in Teilen der Welt leider nicht immer) als Erdbeeren im Februar aus Andalusien zu beziehen.

Vor mir liegt übrigens ein Exemplar „Sweet Dreams“ (ein Sonderheft von Lisa Kochen & Backen) mit ganz vielen superleckeren Erdbeerrezepten. Die werden warten müssen, stattdessen gibt es wohl erstmal was mit Rharbarber- aus Mamas Garten 🙂 Ich habe übrigens Erdbeeren gepflanzt und hoffe auf die ganz große Ernte direkt vor der Haustür. Ansonsten kann man ja auch auf heimischen Erdbeerplantagen selbst ernten gehen- ganz frische Erdbeeren direkt vom Feld in den Mund…äh Korb. Das macht dann im besten Fall sogar noch Spaß 🙂

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10 Gedanken zu “Die Königin der Beeren und warum man vielleicht auf heimische Erdbeeren warten sollte…

  1. Pingback: Was diese Woche geschah… | feuchtfroehlich

  2. Ich warte auch schon auf die ersten einheimischen Erdbeeren und das wie jedes Jahr. Aus den gründen, die du oben genannt hast, versuche ich auch im Winter keine Tomaten zu kaufen, die aus den südlichen Regionen kommen, das Problem ist das selbe! Schön, dass es noch mehr Menschen gibt, die sich darüber ärgern und Gedanken machen.

    • Mir liegt bewusstes Essen oder mehr Bewusstsein bzgl Essen am Herzen. Und ich finde es schade, dass das Thema oft so weggewischt wird. Es ist leicht zu sagen, gutes Essen sei zu teuer und viele Menschen können sich das nicht leisten. Februar-Erdbeeren sind in jeder Hinsicht zu teuer (Grundwasser, Ausbeutung etc), werden aber nach wie vor ohne großes Nachdenken gekauft. Das kann ich nicht verstehen und vielleicht regt so ein Artikel ja zum Nachdenken an.

  3. ICH warte auch sehnsüchtig auf die einheimischen Erdbeeren. Meine Mama hatte sich zum Geburtstag Anfang März eine Erdbeertorte gewünscht, Ich habe ihr den Wunsch erfüllt, war aber mit dem Geschmacksergebnis nicht zufrieden. Bei mir liegt ebenfalls die „Sweet & Dreams “ in der Warteschleife 🙂

  4. Ein wirklich spannender Bericht! Ich könnte auch jedes mal ausflippen wenn jemand im Dezember einen Milchshake mit frischen Erdbeeren verbloggt, das ist für mich einfach nicht nachvollziehbar… wenn man Erdbeeren eh püriert, kann man TK Früchte nehmen und wenn es frische sein sollen, dann halt zur richtigen Jahreszeit, man wird ja doch enttäuscht wenn man die teuren Winterbeeren kauft

    • Recht hast du! Aber leider sehen das immernoch zu Wenige so, sonst gäbe es ja nicht schon im Februar Erdbeeren…oder Heidelbeeren, Spargel undundund…
      Man muss halt auch überlegen, wie „Bio“ oder „Fair“ eine Mango ist, die erstmal um den halben Globus geflogen wurde oder wie glücklich ein ganzes Huhn sein kann, das dann keine 5 Euro kostet….
      Hach ich darf mich da nicht reinsteigern- diese Geiz ist geil-Mentalität beim Essen macht mich mindestens traurig!

      • Tja, da bleibt nichts als uns selbst an die nase zu fassen und das beste draus zu machen 😉

        Und reinsteigern bringt da leider wirklich nichts, deshalb sei stolz auf dich das du es besser weißt und mach dir einen schönen Tag 😉

        Ganz liebe Grüße Trina ♥

      • Ja klar muss man bei sich anfangen und ich mag den „erhobenen Zeigefinger“ auch echt nicht schwingen. Nur ist es manchmal nicht schlecht mehr zu sagen als die Februarerdbeeren schmecken nicht. Da gibts dann immer eine/n mit gaaanz lecker Erdbeeren. Evt ist es ja „abschreckender“, wenn man die anderen Fakten auch kennt.

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